Beitrag zur Jahreslosung 2022 aus Johannes 6,37 „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ 

 

Beim Durchblättern eines kirchlichen Verlag-Katalogs staune ich über die Vielzahl von Motiven und Darstellungen, die die neue Jahreslosung bei Illustratoren, Designern und Künstlern auslöst: „Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“. Da findet sich ein Motiv aus dem Werk des Malers Vincent van Gogh ebenso wie die ausgebreiteten Arme Jesu oder der helle Lichtkegel, auf den eine Gruppe von Menschen zugeht. Eine offene Tür soll der Anschaulichkeit des Jesus-Wortes dienen, ähnlich wie eine Art Verkehrsschild, auf dem der Verweis auf Jesus Christus mit einem Pfeil hervorgehoben ist. Politisch provokant ist das Fotomotiv eines übervollen Schlauchbootes auf dem offenen Meer. Vor einem solchen Bild trifft der Schriftzug „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ den Betrachter sehr direkt; und stellt die Gewissensfrage: Wie gehst du mit dem Menschen um, der zu dir kommt und Hilfe erbittet?

Im Johannes-Evangelium selbst, aus dem das Losungswort stammt (Joh 6,37), geht es allerdings gar nicht unmittelbar um eine Hilfsanfrage an Jesus. Vielmehr sagt Jesus diesen Satz im Nachgang zu seinem zeichenhaften Wunder, bei dem 5000 Menschen scheinbar aus dem Nichts satt werden. In wessen Vollmacht handelt er? So die Frage derer, die dabei waren. Vor allem weckt das Speisungswunder jedoch weitere elementare Begehrlichkeiten. Uns würde es heute wohl nicht anders ergehen. So jemanden macht man zum Ernährungsminister; oder sogar noch mehr. Dabei geht es dem Evangelisten gar nicht um gefüllte Bäuche. Es geht um erfülltes Leben. Um etwas, dass mich nie mehr mit meinem Lebenshunger hungrig zurücklässt. Um Jesus als das Brot des Lebens.

Um anschaulich zu machen, was er darunter versteht, fügt Jesus eben diesen Satz hinzu: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Der tritt durch eine offene Tür. Der sieht wieder Licht am Ende des Tunnels. Der begibt sich in die offenen Arme seines himmlischen Vaters. Der wird gerettet.“ – Welch‘ ein starker Kontrast zu unserem eigenen Verhalten! Wie schnell sind wir mit Antworten bei der Hand, die wie große Stoppschilder wirken: Wir hier in Deutschland können doch nicht die ganze Welt retten. Familie, Beruf, Karriere: Mehr geht einfach nicht. So oft wurde ich schon enttäuscht; ich traue keinem. Es ist das krasse Gegenprogramm, das Jesus mit seinem Satz entwirft: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Bei mir macht sich Nachdenklichkeit breit. Wie immer ich es drehe und wende, für welches Motiv ich mich auch immer entscheide: Dieser Satz ist für all‘ das, was mir in diesem neuen Jahr 2022 begegnen wird, eine echte Herausforderung. Denn wenn ich selber trotz meiner Unzulänglichkeiten von Gott nicht abgewiesen werde: Mit welchem Recht weise ich selber dann andere zurück? Vielleicht bin ich ja schon derart abgestumpft oder habe mich in meiner so Komfortzone verschanzt, dass ich gar nicht mehr weiß, wie es sich anfühlt, einmal nicht hineingelassen zu werden? Jedenfalls werde ich mich in den kommenden Monaten dabei beobachten, wie oft mir dieses Jesus-Wort in meinem Alltag begegnet –

und zur praktischen Herausforderung für mich wird.

 

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen und uns,                      

Ihr – neuer – Pfarrer

Hans Jürgen Basteck