Pfarrer Polzers kleines theologisches ABC

 

A wie Abendmahl

Das Abendmahl - auch Herrenmahl genannt - ist ein Bestandteil christlicher Gottes-dienste, der auf das Handeln Jesu Christi selbst zurückgeht. 

Am Abend vor seinem Tod ver-abschiedete sich Jesus von seinen Jüngern bei einer vor-gezogenen Feier des jüdischen Passamahls.

Dabei forderte er sie auf, sich seiner Worte und Taten zu erinnern, wann immer sie so zusammen kämen. 

Brot und Wein  stehen dabei für Jesu Leib und Blut und erinnern damit wohl an das Opfer, das er am Kreuz für die seinen brachte. Damit ist das

Abendmahl Ausdruck und Verkündigung der Sündenver-gebung.

Zu jeder Abendmahlsfeier gehören die so genannten Einsetzungsworte, die in ähnlichem Wortlaut in Matthäus-, Markus- und Lukasevangelium sowie im

1. Korintherbrief 11,23-26 zu finden sind:

Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset: 

Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis. 

Desgleichen nahm er auch den Kelch  nach dem  Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus:

Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch ver-gossen wird  zur Verge-bung der Sünden; solches tut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis.   

In den unterschiedlichen christlichen Konfessionen gibt es deutlich unterschiedliche Deutungen des Abendmahls.

Während man in der katholischen Kirche davon ausgeht, dass durch die priesterliche Wandlung Jesu Opfer noch einmal nachvollzogen wird und dieser dann in Brot und Wein real präsent ist,

weichen die Vorstellungen in den evan-gelischen Kirchen ab. 

Während Martin Luther zwar die Wandlung durch den Priester verwirft, besteht er weiterhin auf der wirklichen Gegenwart  Jesu in Brot und Wein. 

In der reformierten Kirche dagegen wird auch auf diese Deutung verzichtet und so ist das Abendmahl Erinnerungsmahl: die feiernde Gemeinde erinnert sich in Gemeinschaft an die Worte und Taten Jesu.

 

Augsburger Bekenntnis

Im Augsburger Bekenntnis (auch lateinisch: Confessio Augustana) fassten die lutherischen Reichsstände im Jahr 1530 im Rahmen der Reformation

für den deutschen Kaiser ihre Glaubensüberzeugungen zusammen. Kurfürst Johann von Sachsen beauftragte den Theologen Philipp Melanchthon damit.

1540 bearbeitete er noch einmal sein Werk, worauf sich auch die reformierten Theologen anschlossen.

Im Augsburger Bekenntnis gaben die Protestanten in 28 Kapiteln Rechenschaft von ihrem Glauben.

Dazu argumentierten sie, dass ihre Überzeugungen im Einklang mit Bibel und kirchlicher Tradition standen.

Gleichzeitig wiesen sie noch einmal auf die offenkundigen Missstände in der katholischen Kirche hin und beschrieben, wie diese behoben werden konnten.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Lehre, wie sie auch heute noch von Bedeutung sind, werden beschrieben: 

• Es gibt keinen Priesterstand, das Zölibat widerspricht der Schöpfungsordnung, Pfarrer werden in den Gemeinden ordentlich berufen.

  • Rechtfertigung erlangt der Mensch allein aus dem Glauben.
  • Unnötige Werke sind abzulehnen: Wallfahrten, Heiligenverehrung, Fasten.

Sie finden Auszüge aus dem Augsburger Bekenntnis in ihrem Gesangbuch unter Nummer 808.

Weitere für die evangelische Kirche wichtige Bekenntnisschriften sind Martin Luthers Katechismus und die Barmer Erklärung.


Beichte

Etwas zu beichten bedeutet, seine Fehler und Verfehlungen auszusprechen.

In der katholischen Kirche geschieht dies in der Ohrenbeichte, das heißt, neben dem Beichtenden ist nur ein Priester anwesend.

Dieser spricht zum Ende der Beichte die Sündenvergebung aus, kann aber auch Bedingungen und Empfehlungen aussprechen.

Ähnliches kennt auch die lutherische Tradition.

Die reformierte Tradition lehnt die Einzelbeichte dagegen als unbiblisch ab.

Gegenwärtig findet man in den evangelischen Kirchen dagegen häufiger die Beichte im Gottesdienst, zum Beispiel am Buß- und Bettag,

an Karfreitag oder generell in Abendmahlsgottesdiensten.

Auch die Sündenbekenntnisse im Eröffnungsteil des Gottesdienstes sind gängige Praxis.

Generell gehören zur Beichte die Erkenntnis der eigenen Schuld, die Reue, das eigentliche Bekennen, Wiedergutmachung sowie die eigentliche Sündenvergebung.

Beichte und moderne Psychotherapie haben durchaus Ähnlichkeit:

Ziel ist es, den Hilfesuchenden wieder lebensfähig zu machen.

Dennoch gilt: Beichte ist für Gesunde, die unter ihren Taten leiden; Psychotherapie ist für Kranke, die unter ihren Symptomen leiden.

 

Ein weiterer Aspekt, der beachtet werden muss, ist, dass die Beichte natürlich auch ein Herrschaftsinstrument ist.

Wissen ist Macht und da, wo Kirchenpolitik gleichzeitig auch Machtpolitik ist, wurde und wird das Wissen aus der Beichte auch missbraucht.

 

 

Bibel

Das heilige Buch der Christenheit ist die Bibel. Dabei besteht sie aus zwei Teilen, dem Alten und dem Neuen Testament,

wobei das Alte Testament gleichzeitig auch das heilige Buch des Judentums ist.

 

Die Bibel selbst besteht aus wenigstens 66 Büchern, die von unterschiedlichen Autoren über einen Zeitraum von mehr

als 1000 Jahren aufgeschrieben und auch bearbeitet wurden.

Dabei finden sich in der Bibel Texte ganz unterschiedlicher Gattungen. Wir haben historische Berichte, Erzählungen, Gesetzestexte,

Gedichte, Lieder, Weisheitsliteratur, ein Liebeslied, prophetische Literatur, Evangelien und Briefe.

 

Insgesamt beschreibt die Bibel die Heilsgeschichte; im Alten Testament die des jüdischen Volkes, im Neuen Testament

wird die Heilsgeschichte geöffnet für alle, die an Jesus Christus glauben.

Die Gestalt des Alten Testamentes war um ca. 500 vor Christus abgeschlossen, die des Neuen Testamentes um das Jahr 200

nach Christus. Dabei gab es keine Autorität, die dies beschloss;

vielmehr ergab sich die Zusammenstellung der Bücher aus dem gottesdienstlichen Gebrauch in den Gemeinden.

 

Die Bibel ist für den jüdischen und christlichen Glauben die zentrale Autorität, doch sind Verständnis, Auslegung und Anwendung

quer durch die Geschichte und quer durch die Kulturen sehr unterschiedlich.

Gehen manche Christen von der wortwörtlichen Wahrheit der Bibel aus, besteht doch die Mehrheit darauf, dass Auslegung unbedingt notwendig ist. 

 

 

 Christus

„Christus“ (lateinisch / griechisch) bedeutet „der Gesalbte“, also genau das gleiche wie das hebräische „Messias“. 

Die Salbung war ursprünglich die Ernennung zum König oder zum Hohepriester. 

Die Propheten des Alten Testamentes kündigen immer wieder einen Messias an, der im Namen Gottes das jüdische

Volk befreit und ein ewiges Reich errichtet, in dem Gottes Gebote gelten.

Früh im Christentum wurde dieser Titel schon auf Jesus angewandt und der Titel wandelte sich zum Eigennamen. 

Insbesondere Paulus betonte die Vorstellung von Jesus als dem Messias.

Jesus als Messias ist damit Erfüller des göttlichen Heilsplans und Vollender der Heilsgeschichte. 

Somit ist „Christus“ mitnichten der Nachname Jesu sondern ein Titel und zugleich das kürzest mögliche Glaubensbekenntnis,

denn mit der Nennung dieses Titels drückt man aus, dass man diesen konkreten Jesus aus Nazareth für den Erlöser der Welt hält.

 

 

 Evangelium

 

Das Wort „Evangelium“ ist die lateinische Form des griechischen

„Euangelion“ und bedeutet „Gute Nachricht“. 

Gemeint ist damit die Erzählung des Lebens Jesu Christi, die Geburt, Lehre, Handeln, Sterben und Auferstehen einschließt.

 

In der Bibel haben wir vier Evangelien, die nach den Namen ihrer Autoren („Evangelisten“) benannt sind: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Diese Autoren haben zwischen 50 und 110 nach Christus für ihre jeweiligen Gemeinden die vorhandenen Texte und Erzählungen über Jesus gesammelt

und literarisch verarbeitet. Dabei haben sie jeweils andere Schwerpunkte gesetzt: Die Weihnachtsgeschichte finden wir im Lukasevangelium, die meisten Wundergeschichten im Markusevangelium.

 

Für den heutigen Leser ungewöhnlich ist die Vermischung der literarischen Gattungen. Historischer Bericht, Glaubensaussagen, Zitate Jesu, Wundererzählungen und Lehraussagen sind verwoben.

 

Der Wissenschaft sind noch zahlreiche weitere Evangelien vor allem aus dem zweiten Jahrhundert bekannt, die jedoch in den frühen christlichen Gemeinden keine weitere Verbreitung und

damit keinen Eingang in die Bibel fanden, weil sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht glaubhaft schienen.

 

Gebet

 

Einer der grundlegenden Bestandteile christlichen Glaubens ist das Gebet, das Gespräch mit Gott.

Im Verlauf des Alten Testaments ist eine deutliche Verschlechterung der Gottesbeziehung des Menschen zu erkennen.

Gehen Adam und Eva im Paradies noch mit Gott gemeinsam im Garten Eden spazieren, so darf schon Mose nur noch Gottes Rockzipfel sehen. 

Bald danach in der biblischen Geschichte spricht Gott nur noch durch seine Propheten.

Im Neuen Testament gibt es jenseits der Begegnung mit Jesus nur noch das Gebet als stilles Gespräch mit Gott.

Und Gott antwortet nicht im Gespräch sondern im Leben - und manchmal anders als gedacht.

Christinnen und Christen können gemeinsam im Gottesdienst beten oder alleine für sich.

Viele Menschen beten abends beim Schlafengehen oder auch vor den Mahlzeiten, vor Prüfungen und medizinischen Eingriffen oder einfach so, um sich zu besinnen.

Manchmal ist es wichtig, die richtigen Worte zu finden, ein anderes Mal schweigt man einfach in der Anwesenheit Gottes.

 

Das berühmteste und bekannteste Gebet der Christenheit ist das Vaterunser, das Jesus von Nazareth selbst seinen Jüngern gelehrt hat.

 

Heiliger Geist

Für Christinnen und Christen in aller Welt ist klar: Gott ist da. Er hat die Welt geschaffen und erhält sie weiterhin. Gott steht über dieser Welt und ist gleichzeitig in ihr.

Um das zu beschreiben, spricht man von Gott als Heiligem Geist. 

Gottes Heiliger Geist ist in dieser Welt, erhält das Leben und inspiriert den Menschen. 

Überall, wo sich Menschen verstehen und lieben, wo Frieden geschaffen wird und Neues entsteht, da weht der Heilige Geist. Im Alten Testament kommt der Heilige Geist schon in der Schöpfungsgeschichte vor. 

Das hebräische Wort lautet „Ruach“ und ist weiblich, also eigentlich „die Geistin“.

Im Neuen Testament wird der Heilige Geist mit dem im Johannesevangelium angekündigten „Tröster“ gleichgesetzt, der nach Jesu Himmelfahrt für seine Gemeinde da ist.

In der Apostelgeschichte wird dann beschrieben, wie Gottes heiliger Geist über die Jünger kommt. Wie Feuerflammen über ihren Köpfen bringt er sie dazu, in allen Sprachen zu reden und verstanden zu werden. Dies wird als Gründungsereignis der christlichen Kirche verstanden.

Den Heiligen Geist erbitten wir bei jeder Taufe und Konfirmation, bei Amtseinführungen und Entsendungen und in seinem Namen feiern wir den Gottesdienst.

Arne Polzer, Pfarrer