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Chronik der evangelische Kirchengemeinde Biblis

Das einstmals reformierte Biblis wurde im Zuge der Kriegsereignisse des Dreißigjährigen Krieges 1623 durch gegenreformatorische Maßnahmen römisch-katholisch.

1634 musste Pfarrer Zarlen als letzter protestantischer Pfarrer Biblis zweimal verlassen.

Von diesem Zeitpunkt an war Biblis für die nächsten Jahrhunderte ein rein römisch-katholisches Dorf.

 

Der Neuanfang

Die Anfänge der evangelischen Kirchengemeinde in Biblis gehen auf den 14. Oktober 1925 zurück.

Aufgrund der Initiative von Pfarrer Körbel aus Groß-Rohrheim versammelten sich im Nebenzimmer der Gaststätte Valentin Nungesser (am Bahnhof)

31 evangelische Christen und gründeten die evangelische Kirchengemeinde Biblis.

Der erste Gottesdienst nach fast 300 Jahren konnte am 01. November 1925 mit der Feier des heiligen Abendmahls im festlich geschmückten Rathaussaal gefeiert werden.

Der Einladung zu diesem Gottesdienst folgten 62 Erwachsene und 12 Kinder.

 

Das Mobiliar, Abendmahlsgeräte und ein Harmonium konnten durch Spenden der Kirchenleitung, des Gustav-Adolf-Werkes,

der Kirchengemeinde Groß-Rohrheim und einer in Biblis durchgeführten Kollekte innerhalb kürzester Zeit angeschafft werden.

 

Der Kirchenbauplatz

Nun galt es einen Kirchenbauplatz zu beschaffen, was schon im Januar 1927 gelang. Er lag am Ortsausgang in Richtung Groß-Rohrheim und kostete 1750,- Mark.

In diesem Zusammenhang steht folgender Vermerk in der Chronik der Pfarrei Groß-Rohrheim: "Den weitaus größten Teil dieser Summe

brachte das überaus eifrige und rührige Mitglied des Kirchenvorstandes Biblis, Frau Postmeister Wilhelmine Drießler zusammen.

Sie schrieb an Fabriken, Geschäftshäuser und Privatleute und erhielt Beträge von 5,- bis 100,- Mark. Wenn die Entwicklung der jungen evangelischen Gemeinde so vorwärts geht,

so vor allem durch die Rührigkeit und den Eifer von Frau Drießler."

Die Kirchenleitung verfügte mit dem Schreiben vom 05. Januar 1927 die Bildung einer selbstständigen Gemeinde im Filialverhältnis zu Groß-Rohrheim.

Im April 1927 wurde eine Lotterie durchgeführt, deren Erlös zur Errichtung eines Beetsaales bestimmt war.

Dieser erworbene Bauplatz wurde im Zuge der Feldbereinigung von 1935/36 gegen einen wesentlichen größeren Platz unter Aufzahlung eines Betrages von 2568,05 Mark eingetauscht.

Es war der Platz, auf dem die evangelische Kirche jetzt steht.

 

Das Bauvorhaben

Nachdem Ende 1936 die Summe von 8051,- Reichsmark vorhanden war, wurde der Architekt Weißhaar von Lützelbach beauftragt einen Bauplan für eine kleine Kirche zu erstellen.

Nach dessen Kostenvoranschlag sollte das Bauvorhaben auf etwa 30000,- Mark kommen.

Doch der entbrannte nationalsozialistische Kirchenkampf warf auch seine Schatten auf das Bauvorhaben.

So wurde dem Kirchenvorstand in einem Schreiben des Hochbauamtes vom 11. November 1938 mitgeteilt,

dass "Materialien und Arbeitskräfte unseres Volkes z.Zt. für besonders wichtige Arbeiten (Landesverteidigung) in Anspruch genommen sind und

die Durchführung des Bauvorhabens vorerst unterbleiben muß".

Da auch der zur Verfügung gestellte Rathaussaal wegen Umbaus nicht mehr zur Verfügung stand, musste der Gottesdienst in stets wechselnden Räumen abgehalten werden.

 

Nach dem Krieg

Im Jahre 1947 setzten nach Rückkehr des Ortspfarrers Wilhelm Wagner aus der Kriegsgefangenschaft die ersten Verhandlungen wieder ein.

Inzwischen war die evangelische Gemeinde auf 500 Seelen angewachsen und der Wille, in einer eigenen Kirche Gottesdienst zu feiern, war stärker denn je.

So wurden zunächst Verhandlungen über den Abbruch der beiden auf dem Kirchbauplatz errichteten Baracken der ehemaligen Luftwaffe geführt.

Wenn auch der derzeitige Besitzer Fritz Kissel aus Biblis mit dem Abbruch einverstanden war, so musste dieses Vorhaben an der herrschenden Wohnungsnot scheitern.

Da das Grundstück sehr groß war, entschloss sich der Kirchenvorstand die Kirche vor die Baracken zu bauen.

Der Architekt Zimmermann aus Bürstadt wurde daraufhin mit der Ausarbeitung der Pläne und Durchführung des Bauvorhabens beauftragt.

 

Der Baufond

Nun galt es, den inzwischen durch die Währungsreform 1948 zusammengeschmolzenen Baufond aufzufrischen und zu vergrößern, was,

bedingt durch die nach dem Krieg herrschenden Umstände, nicht einfach war.

Trotzdem brachte die Gemeinde durch ihr Kirchenopfer monatlich 200,- bis 300,- DM auf. Großzügige Unterstützung gewährten die Kirchenleitung,

das Gustav-Adolf-Werk, die bürgerliche Gemeinde Biblis, das Dekanat sowie die Nachbargemeinden Lampertheim, Bürstadt, Gernsheim und die muttergemeinde Groß-Rohrheim.

 

Der Kirchenbau

Endlich, am 09. September 1951 war es so weit. Der erste Spatenstich zum Bau der Kirche war getan. Das war ein sehr bedeutsames Ereignis,

da die Gemeindemitglieder schon viele Jahre darauf gewartet haben.

Am 18. Mai 1952 wurde im Rahmen eines Gottesdienstes der Grundstein in die Mauer des Chorraumes gelegt.

In relativ kurzer Zeit wurde der Bau errichtet, wobei eine ganze Reihe von Gemeindemitgliedern zusammen mit den Bauhandwerkern Hand anlegten.

 

 

 

Die Kirchenweihe

Endlich, am 13. September 1953 fand die Einweihung der Kirche unter großer Beteiligung der evangelischen Gemeinde statt.

Kirchenpräsident Martin Niemöller hielt die Festpredigt. Der Probst von Starkenburg, Pfarrer Felix Rau aus Darmstadt nahm die Weihehandlungen vor.

Die Dekane Hugo Fritsch aus Goddelau und Heinrich Köhler aus Harxheim in Rheinhessen weihten die Kirche und übergaben sie ihrer Betstimmung.

Die Zeit der Provisorien und der räumlichen Enge der Gottesdienststätten war nun zu Ende.

Die evangelische Kirchengemeinde hatte ein eigenes und schmuckes Gotteshaus.

 

Der lange Weg zur Eigenständigkeit

In den folgenden Jahren versuchte der Kirchenvorstand des Bau eines Gemeinde- und Jugendhauses und die Erlangung der pfarramtlichen Selbstständigkeit

durch den Bau eines Pfarrhauses zu verwirklichen. Die erste Anregung dazu kam im Juli 1959 von Pfarrer Wagner.

Im Jahr 1962 war der Bau eines Dekanatsjugendheimes, dem eine Wohnung für einen Dekanatsjugendwart angeschlossen werden sollte,

schließlich auch ein Kindergarten und eine Pfarrwohnung. Notwendig dafür aber war, dass Biblis nicht immer nur von Groß-Rohrheim aus verwaltet wurde.

Seitdem Pfarrer Wagner zum Dekan des Dekanates Goddelau gewählt worden war, wurde die Gemeinde von Pfarrvikaren, die dem Dekanat beigegeben waren, versorgt:

So kam es auf Antrag der Kirchengemeinde im Oktober 1963 zur Errichtung der Pfarrvikarstelle Biblis-Bobstadt.

Als Wohnung für den Pfarrvikar wurde die Wohnung in der Freiherr-vom-Stein-Straße 6 angemietet. Erster Pfarrvikar wurde so im Dezember 1963 Pfarrer Machmar.

Ein Weiterer Antrag, die Pfarrvikarstelle in eine eigenständige Pfarrstelle umzuwandeln, wurde durch die Kirchenleitung abgelehnt.

1966 wurden vom Architekturbüro Zimmermann/Hofmann erste Vorplanungen bezüglich eines Gemeindehauses erarbeitet.

Dann starb Dekan Wagner und das Bauvorhaben trat unter Pfarrer Machmar etwas in den Hintergrund.

 

Biblis wird von Nordheim mitverwaltet

In den Jahren 1970 bis 1974 wurde die Gemeinde durch einen häufigen Pfarrerwechsel sehr belastet, doch Gespräche über die Bauplanung

wurden auch in diesen Jahren immer wieder geführt und weitere Vorplanungen gemacht.

Eine Versammlung der Kirchenvorstände von Biblis und Nordheim mit Dekan Schulten aus Gernsheim und Probst Schmidt im September 1973 brachte dann Klarheit:

Der Sitz der Pfarrstelle bleibt in Nordheim, und Biblis wird als Pfarrvikarstelle von Nordheim mitverwaltet.

Entscheidend gfür den Entschluss war die Tatsache, dass Nordheim die gewachsene evangelische Kirchengemeinde war mit selbstständiger Pfarrstelle.

Die inzwischen gleiche Seelenzahl in beiden Gemeinden, die günstigeren Verkehrsanbindungen von Biblis aus, die Nähe zur komkunalen Verwaltung

hatten als Argumente für einen Pfarrsitz Biblis offenbar nicht das entscheidende Gewicht.

 

Bau des Gemeindehauses

Seit 1. Mai 1974 war Pfarrer Stolze mit der Betreuung der Pfarrstelle Nordheim wie der Pfarrvikarstelle Biblis beauftragt.

Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand versuchte er nun alle Planungen voranzutreiben.

Im November 1974 wurde der Kirchenchor neu gegründet, für Konfirmanden- und Jugendarbeit erwies sich der Vorraum der Kirche mehr und mehr als ungeeignet,

für Erwachsenenkreisde war er zu ungemütlich. So wurde nun das Architekturbüro Hofmann endgültig damit beauftragt, Vorentwürfe und Entwürfe zu machen.

Im August 1975 konnten dann der Kirchenleitung Baupläne und ein vorläufiger Finanzierungsplan zugesandt werden.

Auch auf der Prioritätenliste von Dekanat und Probstei stand das Bauvorhaben Biblis endlich für 1977 an erster Stelle.

Nachdem die bürgerliche Gemeinde der evangelischen Kirchengemeinde zum Bau und zur Auststattung von Jugendräumen

im Untergeschoß 100000,-DM zugesagt hatte, bewilligte schließlich der Bauausschuss der Kirchenleitung das Bauvorhaben im November 1976.

So konnte am 26. August 1977 mit den Bauarbeiten begonnen werden und nach einem Jahr Bauzeit wurde das evangelische Gemeindehaus

in einem Festakt seiner Bestimmung übergeben.